YouTube Keyword Recherche beantwortet zwei Fragen: Wonach sucht eure Zielgruppe auf YouTube, und mit welchen Worten? Für Marken kommt eine dritte, teurere Frage dazu: Will sie die Antwort überhaupt sehen, oder lieber lesen? Ein Thema mit viel Google-Suchvolumen, zu dem YouTube keine passenden Suchvorschläge macht, gehört ins Hilfecenter und nicht in die Videoproduktion. Diese Methode zeigt euch, wie ihr das mit drei kostenlosen Quellen sauber trennt.

Dieser Beitrag ist die Vertiefung zu einem Teil unseres Leitfadens YouTube SEO für Marken. Dort geht es um das ganze Zusammenspiel aus Suche, Empfehlungen und Packaging. Hier geht es nur um die Recherche davor.

Wann lohnt sich Keyword-Recherche auf YouTube überhaupt?

Keyword-Recherche lohnt sich für Videos, die über die Suche gefunden werden. Für Videos, die über Empfehlungen leben, ist sie ein Nebenschauplatz.

Auf YouTube gibt es zwei Arten, wie ein Video sein Publikum findet:

  • Suchgetrieben: Jemand hat ein konkretes Problem und tippt es ein. Tutorials, How-tos, Produktfragen, Anleitungen und Help-Videos leben davon. Hier entscheidet die Formulierung im Titel, ob das Video überhaupt in der Ergebnisliste auftaucht.
  • Empfehlungsgetrieben: Niemand sucht danach, YouTube schlägt es auf der Startseite oder neben anderen Videos vor. Serien, Unterhaltung, Storytelling und Markenformate leben davon. Hier entscheiden Thema, Thumbnail und Titel als Versprechen, nicht das Keyword.

Für die meisten Markenkanäle ist das keine Entweder-oder-Frage. Ein Hersteller von Haushaltsgeräten braucht Anleitungen für die Suche und ein Format, das empfohlen wird. Warum Help-Inhalte das stärkste Suchformat sind und wo ihre Grenzen liegen, zeigt unser Beitrag zu Help-Videos für die YouTube-Suche.

Die Faustregel: Je mehr ein Video ein Problem löst, desto wichtiger ist die Recherche. Je mehr es unterhält, desto mehr zählt das Packaging. Für Formate, die über Empfehlungen wachsen, findet ihr Ansätze in unserem Leitfaden YouTube-Ideen finden.

Lesethema oder Sehthema: Welcher Test spart euch Produktionsbudget?

Der wichtigste Test der ganzen Recherche lautet: Gibt es zu einem Thema mit Google-Suchvolumen auch YouTube-Nachfrage? Wenn nicht, ist es ein Lesethema. Dann wollen Menschen eine Antwort nachlesen und kein Video schauen.

Ein Beispiel aus unserem eigenen Check vom 7. Oktober 2026, beide Begriffe aus derselben Produktwelt:

  • „kaffeevollautomat entkalken“: YouTube schlägt zehn Varianten vor, die meisten mit einem Herstellernamen davor oder dahinter. Menschen wollen sehen, welche Taste sie drücken und wohin das Wasser läuft. Ein Sehthema.
  • „kaffeemaschine garantie“: Google schlägt zehn Varianten vor, von „wie lange“ bis „garantieverlängerung“. YouTube schlägt „kaffeemaschine wartung“, „defekt“, „vollautomat“ und „undicht“ vor, also nichts zur Garantie. Ein Lesethema. Das gehört in eine FAQ oder einen Hilfecenter-Artikel.

Der zweite Fall ist der gefährliche. Die Vorschlagsliste ist gefüllt und sieht auf den ersten Blick nach Nachfrage aus. Sie zeigt aber nur, dass YouTube die Formulierung nicht kennt und auf etwas anderes ausweicht. Wir nennen das „abgelenkt“. Wer das übersieht, produziert ein Video, das viel gesucht und trotzdem kaum geschaut wird.

Aus Volumen und Vorschlägen ergibt sich eine einfache Matrix:

YouTube schlägt vorYouTube schlägt nicht vor
Google-Volumen vorhandenVideothema. Priorität nach Volumen und Schwäche des Wettbewerbs.Lesethema. Gehört ins Hilfecenter oder in den Blog.
Kaum Google-VolumenNischenfall. Einzeln klein, in Summe relevant, meist unbesetzt.Verwerfen oder als Kapitel in einem größeren Video mitnehmen.

Welche Quellen braucht die YouTube-Keyword-Recherche?

Drei Quellen reichen, und keine entscheidet allein. Der Keyword-Planer kennt YouTube nicht, die Suchvorschläge kennen keine Mengen, und die Ergebnisseite kennt keine Nachfrage. Erst die Kombination sagt euch, ob ein Thema ein Video wird.

QuelleWas sie liefertWas sie nicht kann
Google Ads Keyword-PlanerSuchvolumen und Saisonverlauf bei GoogleYouTube-Suchen abbilden
YouTube-SuchvorschlägeBeleg, dass auf YouTube gesucht wird, und die echten FormulierungenMengen nennen
YouTube-ErgebnisseiteWettbewerb: Formate, Alter, Kanäle, AufrufeNachfrage messen

Google Trends ergänzt das: Dort könnt ihr die Websuche auf „YouTube-Suche“ umstellen und seht, wie sich das relative Interesse an einem Begriff auf YouTube über die Zeit entwickelt. Absolute Zahlen gibt Trends nicht heraus, nur einen Index von 0 bis 100.

Schritt für Schritt: So geht YouTube Keyword Recherche für Marken

1. Seed-Liste in vier Sprachen anlegen

Menschen beschreiben ihr Problem anders, als sie danach suchen. Im Kommentar steht „das Ding blinkt rot und macht keinen Kaffee mehr“, gesucht wird „kaffeevollautomat fehlermeldung“. Schreibt deshalb zu jedem Problem vier Kandidaten auf:

  1. den Fachbegriff, wie eure Produktabteilung ihn benutzt,
  2. die Umgangssprache, wie sie in Kommentaren, Support-Tickets und Mails steht,
  3. die Frageform mit „wie“, „warum“ oder „was“,
  4. die Variante mit Produkt- oder Markennamen.

Der beste Rohstoff liegt meist schon im Haus: Kundenservice, FAQ, Hilfecenter, Kommentare unter euren Videos. Schreibt die Begriffe mit Umlauten. Die Suchvorschläge reagieren auf „ue“ statt „ü“ oft mit Unsinn.

2. YouTube-Suchvorschläge prüfen

Tippt jeden Kandidaten in die YouTube-Suche und lest, was im Dropdown erscheint. Für jeden Begriff notiert ihr einen von drei Befunden:

  • bestätigt: Mindestens ein Vorschlag enthält die Kernwörter eures Begriffs.
  • abgelenkt: Es kommen Vorschläge, aber keiner passt.
  • stumm: Es kommt gar nichts.

Ergänzt bestätigte Begriffe um Buchstaben (a, b, c …) und Fragewörter, um die ganze Breite der Formulierungen zu sehen. Nebenbei lernt ihr die Sprache eurer Zielgruppe im Suchfeld. Die steuert später jeden Titel.

3. Google Trends auf YouTube-Suche umstellen

Gebt die bestätigten Begriffe in Google Trends ein, stellt Land und Zeitraum ein und wechselt im Filter von „Websuche“ auf „YouTube-Suche“. Ihr seht dann, ob das Interesse auf YouTube wächst, schrumpft oder saisonal schwankt. Vergleicht dabei mehrere Varianten direkt nebeneinander.

4. Volumen und Saison im Keyword-Planer holen

Der Keyword-Planer in Google Ads liefert monatliche Suchvolumen und den Verlauf über die letzten Jahre. Ihr braucht dafür ein Google-Ads-Konto. Drei Regeln für die Auswertung:

  • Jede Zahl ist ein Google-Wert. Kennzeichnet sie so, auch in der Präsentation für die Geschäftsführung.
  • Die Spalte „Wettbewerb“ meint Anzeigen, also wie viele Werbetreibende auf den Begriff bieten. Über die organische Konkurrenz auf YouTube sagt sie nichts.
  • Der Jahresdurchschnitt versteckt Saisonspitzen. Schaut auf die Monatswerte. Ein Thema, das im Dezember dreimal so oft gesucht wird wie im Juni, gehört im Oktober produziert. Wie ihr das in die Planung übersetzt, zeigt unser Beitrag zum YouTube-Redaktionsplan.

Lasst danach die volumenstärksten neuen Begriffe aus dem Planer noch einmal durch Schritt 2 laufen. Ein Begriff ohne Vorschlagsprüfung ist kein Lesethema, er ist ungeprüft.

5. Die Ergebnisseite lesen

Die YouTube-Ergebnisseite ist die einzige Auskunft über organischen Wettbewerb. Öffnet sie in einem privaten Fenster oder abgemeldet, denn laut YouTube-Hilfe berücksichtigt die Suche euren Such- und Wiedergabeverlauf. Achtet auf vier Dinge:

  • Alter: Sind die besten Treffer älter als zwei Jahre oder zeigen eine veraltete Oberfläche, ist der Begriff nicht besetzt, sondern verwaist. Das ist eure Chance.
  • Herkunft: Herstellerkanäle oder unabhängige Erklärerinnen und Erklärer? Wer erklärt eure Produkte, wenn ihr es nicht tut?
  • Streuung: Ein einzelner Ausreißer über einem flachen Feld bedeutet etwas anderes als zehn starke Treffer.
  • Formate und Kanalgrößen: Lange Tutorials oder Shorts? Kleine Kanäle mit vielen Aufrufen sind ein Zeichen für echte Nachfrage bei schwachem Angebot.

Steht der Name eines Wettbewerbers in den Suchvorschlägen, etwa „Wettbewerbername plus fehlermeldung“, hat er den Fall so gut besetzt, dass Menschen ihn gezielt suchen. Solche Funde gehören in eurer Auswertung ganz nach oben. Wie ihr Wettbewerbskanäle systematisch lest, steht in unserer Anleitung zur YouTube-Konkurrenzanalyse.

6. Nachfrage gegen Angebot stellen und entscheiden

Für jedes Videothema aus der Matrix trefft ihr eine von drei Entscheidungen:

  • Drehen: echte Nachfrage, schwaches oder veraltetes Angebot.
  • Anders drehen: echte Nachfrage, aber starke und frische Konkurrenz. Dann braucht ihr einen eigenen Winkel, etwa ein spezifischeres Modell, eine Zielgruppe oder einen Fehlerfall, den die anderen auslassen.
  • Verwerfen: keine Nachfrage auf YouTube, oder die Ergebnisseite ist von Kanälen besetzt, gegen die ihr realistisch nicht ankommt. Lesethemen gehen an das Team, das Hilfecenter und Blog betreut.

7. Befunde festhalten

Haltet Begriff, Befund, Google-Volumen, Saisonspitze und Entscheidung in einer Tabelle fest. Prüft sie jedes Quartal neu. Suchverhalten ändert sich, und ein heute verwaister Begriff kann in sechs Monaten besetzt sein.

Wie setzt ihr Keywords im Video richtig ein?

Das Keyword gehört in den Titel, an den Anfang der Beschreibung, in die Kapitel und ins gesprochene Wort. YouTube beschreibt die eigene Suche so: „Zur Beurteilung der Relevanz sehen wir uns unter anderem an, inwiefern Titel, Tags, Beschreibung und Videoinhalte der Suchanfrage entsprechen.“ Daneben zählen Interaktionen, etwa wie lange Menschen ein Video nach einer bestimmten Suche schauen.

  • Titel: Nehmt die Formulierung, die in den Suchvorschlägen steht, nicht eure interne. Sie darf trotzdem ein Versprechen enthalten: „Kaffeevollautomat entkalken: in 10 Minuten ohne Fehlermeldung“ funktioniert besser als die nackte Suchanfrage.
  • Beschreibung: In den ersten zwei Sätzen sagt ihr in normaler Sprache, was das Video löst. Varianten aus der Recherche baut ihr natürlich ein, ohne Aufzählung.
  • Kapitel: Jeder Zwischenschritt ist ein Kapitel mit eigener Suchformulierung. Laut YouTube-Hilfe muss der erste Zeitstempel bei 00:00 liegen, es braucht mindestens drei Zeitstempel und jedes Kapitel muss mindestens zehn Sekunden lang sein.
  • Gesprochenes Wort: Sagt den Begriff im Video. Die Videoinhalte fließen in die Relevanz ein.

Nischenfälle mit wenig Volumen sind ideale Kapitel. Fünf kleine Fragen zum selben Gerät ergeben zusammen ein starkes Video.

Welche Rolle spielen YouTube-Tags noch?

Eine kleine. Die YouTube-Hilfe sagt es deutlich: „Noch wichtiger für die Auffindbarkeit deiner Videos sind allerdings Titel, Thumbnail und Beschreibung.“ Tags „können hilfreich sein, wenn die Bezeichnungen der Inhalte deines Videos häufig falsch geschrieben werden. Ansonsten sind Tags für die Auffindbarkeit von Videos nicht besonders wichtig.“

Für Marken heißt das: Tragt Tippfehler-Varianten eures Produktnamens und gängige Falschschreibungen ein, mehr nicht. Übertreibt es nicht, denn laut derselben Hilfeseite verstößt es gegen die Spam-Richtlinien, einem Video unverhältnismäßig viele Tags hinzuzufügen. Die Zeit, die ihr bei den Tags spart, steckt ihr besser in den Titel.

Welche Tools helfen bei der YouTube-Keyword-Recherche?

Für die Methode oben reichen kostenlose Werkzeuge. Bezahlte Tools sparen Zeit beim Sammeln, die Entscheidung nehmen sie euch nicht ab.

ToolWas es liefertKosten
YouTube-SuchvorschlägeNachfragebeleg und echte Formulierungenkostenlos
Google Trendsrelatives Interesse mit Filter „YouTube-Suche“kostenlos
Google Ads Keyword-PlanerGoogle-Suchvolumen und SaisonverlaufGoogle-Ads-Konto nötig
Tab „Trends“ in YouTube AnalyticsTop-Suchanfragen eurer Zuschauer und Contentlückenkostenlos, nur für den eigenen Kanal
vidIQ, TubeBuddygeschätztes Volumen, Wettbewerb und Gesamtscore direkt in YouTubeFreemium, als Browser-Erweiterung
SEO-Suiten wie Ahrefsgeschätzte YouTube-Suchvolumenkostenpflichtig

Der Tab in YouTube Analytics ist die direkteste Auskunft, die YouTube selbst über seine Suche gibt. Er zeigt die Suchanfragen der letzten 28 Tage mit Interessensstufen von „Sehr niedrig“ bis „Sehr hoch“ und markiert Contentlücken. YouTube definiert sie so: Eine Contentlücke besteht, wenn Zuschauer bei einer Suchanfrage nicht genügend hochwertige Ergebnisse finden. Laut Hilfe ist ein Teil der Daten nur in bestimmten Ländern und Sprachen verfügbar.

Alle Volumenzahlen von Drittanbietern sind Schätzungen. Nutzt sie für Größenordnungen, nicht als Messwert.

Welche Fehler passieren bei der Keyword-Recherche für YouTube am häufigsten?

  • Google-Volumen als YouTube-Nachfrage lesen. Das ist der teuerste Fehler. Ohne Vorschlagsprüfung wisst ihr nicht, ob jemand das Video sehen will.
  • Eine gefüllte Vorschlagsliste für Bestätigung halten. Passen die Vorschläge nicht zu eurem Begriff, ist er abgelenkt.
  • Mit der internen Sprache recherchieren. Produktnamen aus dem Katalog sucht kaum jemand. Gesucht wird das Problem.
  • Null Volumen mit null Nachfrage verwechseln. Sehr spitze Fragen liegen oft unter der Meldeschwelle des Planers und sind trotzdem die, an denen Menschen hängen.
  • Den eigenen Markennamen überbewerten. Steht er in den Vorschlägen, suchen vor allem Bestandskunden. Über neue Zielgruppen sagt das wenig.
  • Tags optimieren statt Titel. Die Hilfe sagt klar, wo die Prioritäten liegen.

Klein aber ist als Creator auf YouTube seit 2013 aktiv, die Klein aber GmbH wurde 2016 gegründet. Die Trennung von Lese- und Sehthemen ist als YouTube-Agentur für Unternehmen fester Teil unserer Themenrecherche für Markenkanäle, weil sie Produktionsbudget dahin lenkt, wo Menschen wirklich zuschauen. Wenn ihr eure Help- und Produktvideos auf echte Nachfrage stellen wollt, sprecht uns an.

FAQ

Was ist YouTube Keyword Recherche?

YouTube Keyword Recherche ist die Suche nach den Begriffen, mit denen eure Zielgruppe auf YouTube nach Lösungen sucht. Sie klärt, ob es für ein Thema Nachfrage auf YouTube gibt, mit welchen Worten gesucht wird und wie stark die vorhandenen Videos sind.

Wie findet man YouTube Keywords kostenlos?

Mit drei kostenlosen Quellen: den YouTube-Suchvorschlägen als Nachfragebeleg, Google Trends mit dem Filter „YouTube-Suche“ für den Verlauf und der YouTube-Ergebnisseite für den Wettbewerb. Für Google-Suchvolumen kommt der Keyword-Planer in Google Ads dazu.

Woran erkennt man, ob ein Thema ein Video braucht?

Ein Thema braucht ein Video, wenn YouTube passende Suchvorschläge dazu macht. Hat es Google-Suchvolumen, aber keine passenden YouTube-Vorschläge, ist es ein Lesethema und gehört ins Hilfecenter oder in den Blog.

Sind YouTube-Tags wichtig für das Ranking?

Kaum. Laut YouTube-Hilfe sind Titel, Thumbnail und Beschreibung wichtiger. Tags helfen vor allem bei häufig falsch geschriebenen Begriffen, und zu viele Tags verstoßen gegen die Spam-Richtlinien.

Zeigt der Google Keyword-Planer YouTube-Suchvolumen?

Nein. Der Keyword-Planer liefert Suchvolumen für die Google-Suche. YouTube selbst nennt keine absoluten Suchvolumen, nur Interessensstufen im Tab „Trends“ von YouTube Analytics.

Lohnt sich Keyword-Recherche für jedes YouTube-Video?

Nein. Sie lohnt sich für suchgetriebene Inhalte wie Tutorials, How-tos, Produktfragen und Help-Videos. Videos, die über Empfehlungen gefunden werden, leben vor allem von Thema, Thumbnail und Titel.

Newsletter erhalten

Regelmäßige Insights, News und Tipps für deine YouTube-Strategie.