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Maison Margiela und Hyperrealismus

Worum geht’s: Lange hat eine Fashion Show nicht mehr so großes Aufsehen erregt wie die Artisanal Collection 2024 von Maison Margiela auf der Paris Couture Week. Schleichend, schreitend, stolpernd erwecken die ausdrucksstarken Models die schemenhafte, neblige Kulisse ausgestorbener Gassen und verlassener Bahnhöfe zum Leben. Doch neben den skulpturenhaften Kostümen, die mit Texturen und Form spielen, hat vor allem das Make-up großes Aufsehen erregt. Die Models tragen eine glänzende, starre Porzellanhaut zur Schau, deren einzigartige Optik es Make-up-Artists wie Fans angetan hat. Viele Creator versuchen sich nun selbst daran, den Look der gefeierten britischen Visagistin Pat McGrath nachzustellen und schließen damit unbewusst an die puppenhafte Ästhetik des Uncanny Valley Trends an.

Warum das trended: In der Zeit AI-gestützter Beauty-Filter werden als schön anerkannte Features wie Symmetrie und Glätte artifiziell verstärkt, bis die Linie zwischen echt und fake verwischt. Viele AI-generierte Fotos sind heute schon nicht mehr von klassischen Fotos zu unterscheiden. Was die Selbstverständlichkeit optischer Perfektion, ganz besonders im Bezug auf Körper und Gesichter, mit unserer Wahrnehmung macht, wird unter Verwendung von Begriffen wie Body Dysmorphia bereits weitreichend erforscht.

AI macht Schönheit hyperreal. Neben dem Gewöhnungseffekt von Beautyfiltern im Bezug auf unser eigenes Gesicht sorgt unsere optisch verbesserte Social Media-Welt aber auch dafür, unsere Wahrnehmung für Schönheit im Allgemeinen zu verändern. Wie sieht ein Mensch aus? Immer symmetrischer werden unsere Gesichter, immer glatter unsere Haut, immer modellierter unsere Körper – zumindest scheint es so. Durch die Einfachheit, menschliche Körper auf Bildern zu formen und nach Belieben zu verändern, entsteht auch eine Selbstverständlichkeit, puppenhafte Figürlichkeiten als erstrebenswerte und erreichbare Ästhetik zu verinnerlichen. Dass Margielas Models an zerbrechliche, filigrane Puppen erinnern, ist kein Zufall.
Doch was wären wir, wenn wir den artifiziellen Schönheitskonzeptionen unserer Tage nicht etwas Widerständiges entgegensetzen könnten. Neben den Make-up-Tutorials für eine perfekte Nachbildung des Looks ist es für viele umso befriedigender, sich die starre glass skin am Ende genussvoll von der echten Haut zu reißen.

Beyoncé’s „Texas Hold ‚Em“: Wie ein Song TikTok und die Country-Musikszene erobert

Worum geht’s: Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ein Countrysong zum neuen Tanzhit auf TikTok wird? Im vergangenen Monat veröffentlichte Superstar Beyoncé überraschend zwei neue Songs: ‘’Texas Hold ’Em“ und ‘’16 Carriages“. Besonders ‘’Texas Hold ’Em“ ist auf dem besten Weg, der virale TikTok-Tanzsong des Jahres zu werden. Zuvor hatte sie in einem ironisch-provokanten Werbespot für Verizon, einem US-amerikanischen Mobilfunkanbieter, scherzhaft angekündigt:

Bet I can [break the internet again]. 

Es war eigentlich zu erwarten, dass alles, was Beyoncé tut – jeder Album-Release, jedes Outfit – viral geht. Daher wirkt der Werbespot keineswegs wie ein oberflächlicher Versuch, Hype zu erzeugen. ‘’Texas Hold ’Em“, ein Pop-Country-Crossover-Track, besticht durch schnelle Banjo-Riffs von Rhiannon Giddens und Texte über Whiskey und Tanzen, die perfekt für Line-Dance geeignet sind. Es wäre überraschend gewesen, wenn TikTok nicht mit neuen Tänzen zu diesem Song geflutet worden wäre.

Warum das trended: Der Erfolg von „Texas Hold ’Em“ auf TikTok ist kein Zufall. Line Dance eignet sich perfekt für TikTok, denn er bietet viel Interpretationsfreiheit und eignet sich auch für Anfänger:Innen.

Zudem ist Musik auf TikTok aufgrund der Lizenzstreitigkeiten zwischen TikTok und der Universal Music Group aktuell sehr begrenzt. Da Beyoncés Musik von Columbia/Sony, einem Rivalen von UMG, vertrieben wird, bot „Texas Hold ’Em“ eine frische und verfügbare Alternative, die schnell die Charts erklomm.

Darüber hinaus hat die Ankündigung von Beyoncés neuem Album „Act II“ und die Spekulationen um ein ganzes Country-Album die Aufmerksamkeit noch verstärkt. „Texas Hold ’Em“ erreichte schnell die Spitze der Billboard’s Hot Country Songs Chart und wurde bereits in den ersten Tagen nach Release rund 32 Millionen mal gestreamt.

@emmaa.fsr

Es geht nicht um paul !!!!

♬ original sound - LS

„I can’t believe what I did for love“ – Selbstreflexion und Beziehungen

Worum geht’s: Unter dem Motto „I can’t believe what I did for love“ teilen User:innen die unglaublichsten Dinge, die sie aus Liebe oder Verliebtheit getan haben – oft mit viel Selbstironie und einem innerlichen Kopfschütteln. Gute Beispiele: sich für die Invasion der Privatsphäre des Partners zu entschuldigen, nachdem man auf seinem Handy entdeckt hat, dass er untreu war, oder auch: den (Ex-)Partner trösten, nachdem man ihn beim Fremdgehen erwischt hat und er deswegen zusammenbricht (Clown-Smiley).

Untermalt werden diese Geständnisse vom Lied „What I Did for Love“ von David Guetta und Emeli Sandé.

Warum das trended: Der Trend ist eine bittersüße Auseinandersetzung mit der Erkenntnis, was man in Beziehungen manchmal über sich ergehen lässt – sei es, weil man noch jung und unerfahren war, die red flags nicht erkannt hat oder nicht wahrhaben wollte, dass der Partner oder die Partnerin einen mies behandelt. Gemein ist allen Creatorn die Überzeugung, nicht noch einmal in die Falle zu tappen, die eigene emotionale Unsicherheit mit Liebe zu verwechseln.

News

Beliebte Songs nicht mehr verfügbar

Durch den Vertrag mit Universal Music war es auf TikTok immer möglich, beliebte Songs von großen Sängern und Sängerinnen für die Videos zu benutzen. Der Musikkonzern Universal hat Plattenverträge und Veröffentlichungs-Deals mit vielen Künstlern und Künstlerinnen, welche es Usern der Plattform ermöglicht haben, deren Musik auf TikTok zu nutzen. Doch kürzlich verschwanden all diese Hits aus bereits veröffentlichtem Content auf der Plattform. Der Grund dafür ist ein Vergütungsstreit zwischen der sozialen Plattform TikTok und dem Musikkonzern Universal Music. Bei vielen Content Creatorn sorgte das für einen großen Schock. Es ist noch unklar, wie der Konflikt zu Ende geht –  bis auf Weiteres sind die betroffenen Musikstücke von der Plattform gesperrt.