Ist YouTube die beste Plattform für Podcasts?

By 17. September 2019 Insights, Strategie

Obwohl YouTube einen klaren Fokus auf Videoinhalte legt, nutzen immer mehr Menschen die Plattform um Podcasts zu hören. Einer Studie der University of Florida zu Folge hören 70.2% der Befragten Podcasts auf YouTube – deutlich mehr als Spotify (33,9%) und Apple Podcast (32,6%).

YouTube ist nicht die erste Plattform, an die man auf der Suche nach Podcasts denkt. Aber immer mehr Creator beweisen das YouTube ein richtiges Podcast Netzwerk ist.

Eine Herausforderung beim Aufbau von Podcasts waren bisher ein fehlender Algorithmus, der Zuhörern neuen Content vorschlägt und umfangreiche Analytics. So haben Creator kaum Möglichkeiten verlässliche Daten über ihre Zielgruppe zu erhalten oder ihren Content auf Basis der Daten weiter zu entwickeln – ein Feld in dem YouTube seit Jahren umfangreiche Tools zur Verfügung stellt.

EP#12 | Getting Real with Logan Paul
Logan Paul zu Gast im Corridor Cast Podcast

Mehrere YouTuber – wie Beispielsweise Jay & Arya, Logan Paul oder Corridor Digital – haben im letzten Jahr eigene Podcasts gestartet. Sie veröffentlichen auf den klassischen Audio-Plattformen wie Apple Podcast und Spotify, aber immer mehr bieten auch Video-Versionen an, die auf dafür angelegten YouTube Kanälen gehosted werden und unglaublich beliebt sind.

Podcasts auf YouTube: Creator verwandeln die Plattform in ein Podcast Netzwerk

Diese Creator haben herausgefunden wie man Podcasts auf einer Plattform skalieren kann, die nicht für Audio designed wurde. Sie nutzen den YouTube Algorithmus um neue Zielgruppen zu erreichen, Geld zu verdienen und ein spannendes neues Medium zu erschließen. Denn viele gehen davon aus, dass der Podcast-Markt in den nächsten Jahren massiv wachsen wird.

Einige der Top Podcasts auf YouTube sammeln Millionen Aufrufe in wenigen Wochen. Die erfolgreichsten Shows wie Joe Rogan’s Joe Rogan Experience, oder Hila und Ethan Klein’s H3 Podcast haben ein begeistertes Publikum das YouTube Benachrichtigungen wie einen RSS Feed nutzt, der sie informiert wenn neue Episoden online gehen. Obwohl die Podcasts auch über Spotify und Apple Podcast verbreitet werden ist YouTube oft die erste Anlaufstelle.

Um noch größere Reichweite zu erzielen teilen die YouTuber ihre Shows in mehrere Snippets auf und verteilen sie über verschiedene Kanäle. H3 Podcast, Cody Ko und Noel Miller’s Tiny Meat Gang, und The Joe Rogan Experience veröffentlichen die vollen Folgen auf ihrem Haupt-Podcast-Kanal, brechen die gleichen Episoden aber gleichzeitig in kleine Cutdowns auf. Diese gekürzten Highlight-Clips leben auf einem komplett eigenständigen Kanal. Um das Podcast Publikum auf YouTube zu vergrößern, eignen sich diese Clips hervorragend.

So funktionieren die erfolgreichen „YouTube Podcasts“:

Auf einem Hauptkanal werden neben besonders aufwendigen Folgen vor allem klassische YouTube Formate veröffentlicht, während sich zwei weitere Kanäle nur um die Podcasts drehen. Einer der Podcast Kanäle hosted die vollständigen Episoden, ein zweiter ist explizit für Ausschnitte aus den einzelnen Folgen vorbehalten.

Wie bei einer YouTube Video-Strategie empfiehlt es sich monothematische Kanäle mit regelmäßigen Formaten zu bauen.

Ein eigener Kanal für Highlights und Ausschnitte eröffnet Podcastern die Möglichkeit YouTubes Empfehlungs-Algorithmus zu nutzen, der Content auf Basis von Interessen der Zuschauer vorschlägt.

Wenn in den vollen Episoden mehrere Themen mit einem Gast behandelt werden interessieren diese nur echte Fans, während die Länge der Episoden und das Fehlen eines stringenten Themas neue Zuschauer abschrecken könnten. Daher teilen die YouTuber  ihre Folgen in 5-20 Minütige Highlights auf, die sich jeweils mit einem Thema aus dem Gespräch beschäftigen. Da diese Clips deutlich kürzer sind und über Titel und Thumbnail einen konkreten Aufmacher anteasern, ziehen sie neue Zuschauer viel einfacher an.

Podcasting scheint ein Usecase zu sein, bei dem YouTubes Eigenheiten für die Creator arbeiten. Sie können ihre Reichweite vergrößern, ohne ihre bestehenden Fans abzuschrecken und Geld über die Werbeeinnahmen verdienen. Ein Punkt der gerade in Zeiten zunehmender De-Monetarisierung für viele Creator immer relevanter wird.

Die Podcasts auf einem seperaten Channel zu hosten erlaubt Creatorn an zwei sehr unterschiedlichen Arten von Inhalten parallel zu arbeiten. Zuschauer die Logan Paul wegen seiner Vlogs, Pranks und „Comedy“ folgen, sind vielleicht von längeren Gesprächen oder Interviews abgeschreckt.

Seit dem Start seines Podcast-YouTube Channel hat Logan Paul mehr als 1,7 Millionen Abonnenten gewonnen. Der Content ist zumindest ein klein wenig erwachsener, mit längeren Videos und sehr anderen Themen als auf seinem Hauptkanal. Gäste wie der Mathematiker Eric Weinstein helfen Logan ältere Zuschauer zu erreichen, die er wohl nicht mit seinem überdrehten Vlog-Kanal ansprechen würde.

Sieht YouTube sich selbst als Podcast Plattform?

Creator haben bereits erkannt das YouTube ein wertvolles Tool für Reichweiten-Aufbau von Podcast ist. Bisher hat YouTube nur wenige Produkt-Änderungen eingeführt um diesen Trend zu befeuern. Funktionen wie das Hören von Inhalten bei geschlossener YouTube App (für Abonnenten von YouTube Premium) oder die Möglichkeit Audio-Only Playback über die Studio Settings zu erlauben, zeigen aber das YouTube den Trend verfolgt. Der Haupt-Treiber der YouTube-Podcasts kommt aber offensichtlich aus der Creator-Community selbst.

Podcasting auf YouTube ist der nächste logische Schritt in der Entwicklung des Audio-Mediums. Marken können diese Gelegenheit nutzen um sich frühzeitig zu positionieren. Denn für sie löst YouTube ein weiteres essenzielles Problem, das Podcasts bisher mit sich bringen: Ad-Formate die geeignet sind neue Kunden effektiv zu erreichen und eine Community aufzubauen.

Mehr YouTube Wissen gibt es in unserem Podcast