YouTube macht Creator-Kooperationen zur Ausschreibung: Bei Open Call legt eine Marke ein Shorts-Projekt an, passende Creator sehen das Briefing direkt in YouTube Studio und reichen ein fertiges Short ein. Parallel bekommen episodische Formate mit Shows eine eigene Serienseite samt Staffeln und eigenen Empfehlungs-Regalen auf der Startseite. Das eine betrifft euer Influencer-Marketing, das andere euren Marken-Kanal. Gezeigt im aktuellen Creator-Insider-News-Flash.

Open Call: Marken schreiben ein Shorts-Briefing aus, Creator reichen ein

Neuer Open Call in YouTube Creator Partnerships mit den Schritten Business info, Details, Product info und Creator matching
So legen Marken einen Open Call an: Business info, Details, Product info und Creator matching (Quelle: Creator Insider).

Open Call dreht die Anbahnung um. Statt einzelne Creator anzuschreiben, legt eine Marke ein Shorts-Projekt mit Vorgaben an, und YouTube spielt es Creator aus, die die Kriterien erfüllen. Die sehen es in YouTube Studio im Partnership-Tab unter Earn. Google beschreibt Open Call als Programm, in dem Werbetreibende ein kreatives Briefing veröffentlichen und Creator daraufhin von sich aus Videos einreichen (Ankündigung bei Google). Ausgespielt wird das über den Creator-Partnerships-Hub, den Werbetreibende in Google Ads finden (Google-Ads-Hilfe zu YouTube Creator Partnerships).

Der Ablauf ist eng getaktet. Reicht ein Creator ein Short ein, darf die Marke genau eine Feedback-Runde verlangen, und der Creator entscheidet selbst, ob er sie umsetzt. Gibt die Marke das Video frei, bekommt der Creator den Betrag, der zu Projektbeginn genannt war. Garantierte Mindestbeträge sind laut Creator Insider noch in Arbeit. Für Creator ist Open Call aktuell im YouTube Partner Program in den USA verfügbar, UK, Indien und Indonesien folgen, weitere Märkte danach. Für den deutschen Markt heißt das: noch nicht buchbar, aber die Mechanik steht.

Was das für euch heißt: Open Call ist ein Einkaufskanal für Shorts-Content ohne Outreach. Ihr bekommt mehrere Umsetzungen einer Idee von Creator-Seite, statt eine Kooperation lange zu verhandeln. Der Preis dafür ist Kontrollverzicht. Eine einzige Feedback-Runde, die der Creator ablehnen darf, ist wenig für Marken mit strengen Freigabeprozessen. Wer heute schon feste Creator-Partnerschaften fährt, ersetzt die damit nicht, sondern ergänzt sie um kurzfristige Shorts-Volumen. Wie sich der Rahmen für Creator Partnerships zuletzt verschoben hat, haben wir im Beitrag zu YouTube Creator Partnerships und Affiliate eingeordnet.

Was in einem Open Call steht und was ihr dabei festlegt

Open-Call-Projekt in YouTube Studio mit Vergütung, Deliverable Short-form und Deadline
Das Open-Call-Projekt, wie Creator es sehen: Vergütung, Deliverable und Deadline auf einen Blick (Beispielansicht, Quelle: Creator Insider).

Das Projekt, das Creator zu sehen bekommen, ist im Kern euer Briefing. Es nennt die Vergütung für das Short, das Deliverable, die Deadline und ob das Short öffentlich auf dem Creator-Kanal für organische Views läuft, ob die Marke es als Ad ausspielt oder beides. Dazu kommen die Beschreibung der Marke und das Kampagnenziel. Die Nutzungsrechte sind vorab geklärt: Die Marke darf das Short 180 Tage lang als Ad einsetzen. Will sie länger damit werben, muss sie den Creator selbst kontaktieren und neu verhandeln. Welche Inhalte in einem Open Call zulässig sind, regelt YouTube in eigenen Programmrichtlinien (YouTube-Hilfe zu den Open-Call-Programmrichtlinien).

Was das für euch heißt: Das Briefing macht die ganze Arbeit, denn nachjustieren könnt ihr kaum. Vergütung, Deadline, Ausspielweg und Zielbild müssen vor der Ausschreibung sitzen, sonst bekommt ihr drei Einreichungen, die alle nicht passen. Und plant die 180 Tage in eure Media-Planung ein: Ein Short, das als Ad gut läuft, ist danach nicht automatisch weiter nutzbar. Wer Creator-Content über eine Kampagne hinaus verwerten will, braucht weiterhin einen eigenen Vertrag.

Shows: episodische Formate bekommen eine eigene Serienseite

Show-Seite auf YouTube mit Staffel, Episodenliste und Play-Episode-Button
Jede Show bekommt eine eigene Serienseite mit Staffeln und Episoden (Quelle: Creator Insider).

Shows bündeln Videos, die in einer bestimmten Reihenfolge oder als zusammengehöriges Set funktionieren. Kanäle im YouTube Partner Program können eine Show anlegen, entweder indem sie eine bestehende Playlist umwandeln oder eine Show von Grund auf neu bauen, auch über mehrere Staffeln. Jede Show bekommt eine eigene Show-Seite unter dem Kanal, und diese Seite ist für die Regale „Recommended Shows“ und „Continue Watching“ auf der Startseite qualifiziert sowie für die Continue-Watching-Behandlung in Watch Next. YouTube treibt das Format sichtbar voran und stellt eigene Creator-Serien vor, die darauf aufbauen (Übersicht im YouTube-Blog).

Woran YouTube eine gute Show erkennt, ist erfreulich konkret: klare Erzählbögen über mehrere Episoden, konsistente Themen oder Rubriken, wiedererkennbare Hosts, einheitliche Thumbnails, Titel und Beschreibungen, gute Bild- und Tonqualität, durchgehendes Branding und ein gleichbleibendes Tempo. Also genau das, was ein Format von einer Video-Sammlung unterscheidet.

Was das für euch heißt: Wenn euer Marken-Kanal bisher aus Einzelvideos besteht, ist das der Anlass, auf Serienlogik umzustellen. Ein Format mit festem Host, festem Rhythmus und wiedererkennbarem Look bekommt jetzt zusätzliche Oberflächen, auf denen es überhaupt erst auftauchen kann. Für die Produktion heißt das: weniger Einzelfall-Konzepte, mehr Staffelplanung. Was das in der Praxis bedeutet, haben wir in unserem Beitrag zum YouTube-Shows-Feature für Marken ausführlich aufgeschrieben, und wie ein serielles Markenformat über Jahre trägt, zeigt unsere Case Study zum eBay-Kleinanzeigen-Kanal.

Kaufen oder bauen: was Marken aus diesem News Flash mitnehmen

Die beiden Updates zeigen zwei Wege, wie Marken auf YouTube an Reichweite kommen. Open Call ist der Einkauf: schnell, günstig, breit, mit wenig Kontrolle und begrenzten Rechten. Shows ist der Aufbau: langsamer, aber der Kanal gehört euch und zahlt jede Episode auf dasselbe Format ein. Die meisten Marken brauchen beides, nur eben mit klarem Kopf darüber, welches Budget welchem Ziel dient. Genau diese Aufteilung durchzurechnen und dann Formate zu bauen, die auch in der dritten Staffel noch funktionieren, ist unser Tagesgeschäft als YouTube-Agentur. Wenn ihr für 2027 gerade zwischen Creator-Budget und eigenem Kanal abwägt, schreibt uns über die Kontaktseite, dann schauen wir gemeinsam drauf.

Der komplette News Flash bei Creator Insider:

FAQ

Was ist YouTube Open Call?
Open Call ist ein Programm, bei dem Marken ein Briefing für ein YouTube Short veröffentlichen. Passende Creator sehen das Projekt in YouTube Studio im Partnership-Tab unter Earn, reichen ein Short ein und bekommen bei Freigabe die vorab genannte Vergütung.

In welchen Ländern ist Open Call verfügbar?
Für Creator ist Open Call aktuell im YouTube Partner Program in den USA verfügbar. UK, Indien und Indonesien folgen, weitere Märkte danach. Deutschland ist bisher nicht dabei.

Wie lange darf eine Marke ein Short aus einem Open Call als Werbung nutzen?
180 Tage. Will die Marke das Short danach weiter als Ad einsetzen, muss sie den Creator selbst kontaktieren und neue Konditionen verhandeln.

Wie viele Korrekturschleifen gibt es bei einem Open Call?
Eine. Nach der Einreichung kann die Marke genau eine Feedback-Runde anfragen. Ob der Creator die Änderungen umsetzt, entscheidet er selbst.

Was ist eine YouTube Show und wie legt man sie an?
Eine Show bündelt Videos, die in einer bestimmten Reihenfolge oder als Set zusammengehören, inklusive Staffeln und Episoden. Kanäle im YouTube Partner Program wandeln dafür eine bestehende Playlist um oder legen eine Show neu an. Jede Show bekommt eine eigene Seite unter dem Kanal.

Newsletter erhalten

Regelmäßige Insights, News und Tipps für deine YouTube-Strategie.